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"Münsterländische Tageszeitung"  vom 1. Dezember 2008

„Sieben Frauen, aber nur ein Kind“

Paul Brägelmann las „Animal Farm“ auf Platt und sagte Politikern seine Meinung

Garrel (hög) – Der Weltklassiker „Animal Farm“, in dem George Orwell eine misslungene Revolution der Tiere auf einem Bauernhof beschreibt, wurde bislang in 70 Sprachen übersetzt. „Nu is mit Plattdütsk dei 71. Spraoke dor taubi kaomen“, betonte Paul Brägelmann auf der Autorenlesung vor Heimatfreunden in Garrel.
Der ehemalige Landwirt und Gymnasiallehrer aus Vechta, Autor zahlreicher plattdeutscher Veröffent-lichungen, nahm aber auch deutsche Politiker aufs Korn: „Altbundeskanzler Gerhard Schröder un sien Ex-Parteigenosse Oskar Lafontaine har´n tausaome säben Frauen, hebbt dat aover nur up ein Kind brocht.“ Im Mittelpunkt der Lesung stand „Animal Farm up ollenborger Plattdütsk“. Das in diesem Jahr von Brägelmann herausgebrachte Buch wird unter den plattdeutschen Schriftstellern als Glanzleistung be-zeichnet und hat durchweg positive Kritiken erfahren. In der Übersetzung ist nur der Titel englisch geblieben: „Bi miene Arbeit wull et mi nich glücken, ´n önlicken plattdütsken Titel för ´Animal Farm` tau finnen“, sagte der Autor. Brägelmann las die Episode aus dem Buch, in der das Schwein auf dem Bauernhof das Verhalten der Menschen den Tieren gegenüber kritisiert und die Revolution fordert: „Dat is miene Botschaft för jau, Kameraoden: Revolution ... bit taun endgültigen Sieg.“ Brägelmann betonte die grundsätzliche Kritik des Buches Diktaturen und auch Revolutionen gegenüber. Denn auch die Revolution der Tiere in Orwells Tierfabel „frisst ihre Kinder“. Bereits 1943 geschrieben, wurde „Animal Farm“ erst zwei Jahre später 1945 zur Veröffentlichung freigegeben. Der Grund: Orwells Werk kritisiert die russische Revolution, und dies wollten die Engländer zu dem Zeitpunkt (Weltkrieg-Verbündeter gegen Nazi-Deutschland) nicht zulassen. Außer aus „Animal Farm up Platt“ las Paul Brägelmann auch aus anderen bekannten Veröffentlichungen: Erzählungen und Geschichten von „Braoms Bernd un Reuklosen Ziskao“ beispielsweise boten gute Unterhaltung. Für den musikalischen Rahmen zwischen den Beiträgen sorgte Bernd König mit dem Keyboard. „Dat was vanaobend recht moje, wi hebbt ernste un spaoßige Bidräge hört un use Vorläser heff dat gaut vörbrocht“, lobte Garrels Heimatvereinsvorsitzender Bernd Ferneding.    (weitere Bilder)

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