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"Münsterländische Tageszeitung"  vom 12.03.2007

„Faste staohn, wiet kieken un sick rögen“

Garreler Heimatfreunde übergaben das „plattdeutsche Jahr“ an die Gemeinde Visbek

Visbek/Garrel (hög) – Das „plattdeutsche Jahr“ haben Garrels Bürgermeister Andreas Bartels und Heimatvereinsvorsitzender Bernhard Ferneding am Samstag an die Verantwortlichen der Gemeinde Visbek im Landkreis Vechta übergeben. Festredner und Akteure brachen auf der mehr als zweistündigen Veranstaltung einmal mehr eine Lanze für die plattdeutsche Sprache. Die Heimatfreunde im Oldenburger Münsterland müssten „faste staohn, wiet kieken und sick rögen“, rief beispielsweise Festredner MdL Clemens gr. Macke (CDU) zum Einsatz für traditionelle Werte auf.
Mit Visbek nimmt sich nun nach Steinfeld und Garrel die dritte Gemeinde der Förderung der plattdeutschen Sprache an. Im nächsten Jahr wird erneut eine Kommune im Landkreis Cloppenburg gefordert sein.
Visbeks Bürgermeister Heiner Thölke konnte neben gr. Macke und den Vertretern aus allen Gemeinden und Städten des Oldenburger Münsterlandes auch den SPD-Landtagsabgeordneten Claus-Peter Poppe und den Präsidenten des Heimatbundes Hartmut Frerichs begrüßen. Einen besonderen Dank richtete Thölke an den ehemaligen Steinfelder Gemeindedirektor Peter Möllmann, der der eigentliche Initiator des „plattdeutschen Jahres“ sei.
Unter der nicht ganz so ernst gemeinten Behauptung „Freuher was alles bäter“ unterhielt Festredner MdL in einem rhetorisch brillanten Vortrag die Festgäste. Er plauderte aus seiner Kindheit und beschrieb mit unterhaltsamen Metaphern, wie seine Eltern ihm „ein Läwen wi in´t Paradies“ ermöglicht hätten. „Wekker Taukunft hebben will, mott wäten, wo hei herkump“, betonte der Politiker.
Plattdeutsch sei „Läwen, Harte un Heimat“. Deshalb seien wir nicht nur im „plattdeutschen Jahr“, sondern ein Leben lang gefordert, die Sprache zu fördern und an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben: „Wat wie tausaome rieten köönt, dat mööt wie uck daun.“
Die im Verlaufe des vergangenen Jahres von Kirchen, Vereinen, Schulen, Kindergärten und Einzelpersonen mehr als 20 erfolgreich abgewickelten Aktionen in der Gemeinde Garrel lobte Bürgermeister Andreas Bartels. „Alle Inwohner hebbt mitmaoket un ick kunn mien Platt uck ganz gaut upfrischken“, meinte Bartels. Sein Visbeker Amtskollege Thölke kündigte an, insbesondere Kinder sollten in den kommenden Monaten mit der plattdeutschen Sprache konfrontiert werden. „Nur wenn wir mit dem Nachwuchs Plattdeutsch sprechen, haben wir dauerhaft die Chance, unsere Identität zu bewahren.“ „Wi hebbt väle Talente in use Gemeende, un dei willt wi uck nutzen“, betonte die Visbeker Heimatvereinsvorsitzende Julia Hubbermann.
Zwischen den Reden gab es plattdeutsche Unterhaltung vom Feinsten. Vorgestellt wurde die Sage vom „Visbeker Braut und Bräutigam“, „Danz up dei Deel“ zeigten die „Dörpspringer“ und der 1873 gegründete Männergesangverein sang bekannte Ohrwürmer wie „Dat du mien Leiwste büs“. Aus der Literatur des verstorbenen Plattdeutsch-Autors Alfons Niemöller las Rektor Martin Büssing. Lustige Sketche und der Auftritt von Schulkindern der Gerbert-Schule rundeten das Programm ab.

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