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"Münsterländische Tageszeitung"  vom 27. März 2006


Minister schnarcht sogar auf Plattdeutsch

Gelungener Auftakt zum "Plattdütschen Johr" in Garrel - Ehlen für neuen Lehrstuhl an der Uni Oldenburg
Von Georg Meyer

Garrel - Im Zeichen der Jugend hat der Auftakt zum "plattdütschen Johr" in der Gemeinde Garrel gestanden. Der Nachwuchs aus Kindergärten und Schulen bewies eindrucksvoll, dass das Plattdeutsche - allen Prognosen zum Trotz - noch keineswegs zu den aussterbenden Sprachen gehört. Nach Steinfeld im Vorjahr ist Garrel die zweite Gemeinde im Oldenburger Münsterland, die das "plattdütsche Johr" ausrichtet.
Wege, wie die Sprache der Vorfahren auch an künftige Generationen weiter gegeben werden könnte, zeigte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) auf. Der Schirmherr des vom Heimatverein und der Gemeinde Garrel ausgerichteten Veranstaltungsjahres will sich für die Stärkung des Plattdeutschunterrichts in den Schulen einsetzen. Ein weiteres politisches Ziel sei die Einrichtung eines eigenen Lehrstuhls an der Universität Oldenburg, versprach Ehlen, der seine Festrede in fließendem Platt vortrug.
Gemeinsam mit den anderen norddeutschen Bundesländern wolle Niedersachsen sich für den Erhalt der Sprache einsetzen. Dennoch müsse sich auch das Plattdeutsche weiterentwickeln und sich im Vokabular der technischen Entwicklung anpassen. "Eine Sprache, die dies nicht tut, ist tot", warnte Ehlen und rief all diejenigen, die zwar das Plattdeutsche noch beherrschen, es aber in der Öffentlichkeit nicht mehr sprechen mögen, zum "Outing" auf.
"Die Leute sollen sich trauen. Im Landtag schnacke ich jeden neuen Abgeordneten erst einmal auf Platt an. 74 von 183 können es noch', berichtete der Landwirt aus Kalbe bei Sittensen. Er selbst könne sogar "auf Platt" schnarchen. "Meine Frau wird das bestätigen", sagte Ehlen unter dem Gelächter der Zuhörer.

Steinfelds Bürgermeister Herbert Kruse gab die Trägerschaft anschließend offiziell an seinen Garreler Amtskollegen Ludger Mayhaus weiter.
ZahlreicheVeranstaltungen - vom Volkshochschulkurs bis zu den Kulturtagen - sollen in den kommenden Monaten dem Erhalt des Niederdeutschen gewidmet sein.
Dass Platt dabei viel Spaß machen kann, bewiesen am Samstag zahlreiche Garreler Gruppen, darunter die Volkstanzgruppe, der Männergesangverein Nikolausdorf und die Jagdhornbläser des Garreler Hegering. Locker und souverän moderiert von Kaplan Wolfgang Pille, verlebten die mehr als 160 Gäste im Saal Niemann einen kurzweiligen Vormittag mit viel Musik, folkloristischen Tänzen und plattdeutschen Sketchen. Über das Engagement von Vereinen, Jugendgruppen, Schulen und Kindergärten freute sich auch Garrels Heimatvereinsvorsitzender Bernd Ferneding. "Deftig und eigenständig" sei das Plattdeutsche, ein Kulturgut, auf das die Region auch in Zukunft nicht verzichten dürfe.
Dem konnte Ludger Mayhaus nur zustimmen. Das Motto "plattdütsch läwt", das sich die von der MT unterstützte Initiative gegeben hat, sieht er als Auftrag für die Zukunft. Vor allem die Eltern sollten deshalb mit ihren Kindern mehr Platt sprechen. "Kiener bruket Angst tau hebben, dat dat Kind dordör dumm wett oder sien Hochdütsch weniger gaut leert", suchte Mayhaus fest sitzende Vorurteile zu zerstreuen.

- Das dritte "plattdütsche Johr" wird 2007 in der Gemeinde Visbek ausgerichtet. Dies wurde am Rande der Auftaktveranstaltung bekannt gegeben.

Bild: - Übergabe durch die Steinfelder -

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