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"Münsterländische Tageszeitung"  vom 25. März  2006
zur Auftaktveranstaltung zum Plattdeutschen Jahr in Garrel


Auch der Minister schnackt Platt

Heute Auftaktveranstaltung zum Plattdeutschen Jahr in Garrel - Großes Festprogramm

Garrel (hög) -„Dat plattdütsche Johr 2006" ist in den vergangenen Wochen bereits erfolgreich eingeläutet worden. Rund 160 geladene Gäste aus den Gemeinden des Oldenburger Münsterlandes werden heute zur offiziellen Auftaktveranstaltung in Garrel erwartet. Als Schirmherr unter ihnen ist auch der niedersächsische Landwirtschafsminister Minister Hans-Heinrich Ehlen (CDU). Der Politiker wird seine Festrede selbstverständlich in plattdeutscher Sprache halten. Die Auftaktveranstaltung beginnt um zehn Uhr mit der Begrüßung durch Bürgermeister Ludger Mayhaus. Moderator des dreistündigen Programms ist Kaplan Wolfgang Pille. Das erste „plattdütsche Johr" fand 2005 in der Gemeinde Steinfeld statt. Deren Bürgermeister Herbert Kruse, Stellvertreter und Kring-Vorsitzender Rudi Timphus sowie Gemeindedirektor Peter Möllmann werden es offiziell an die Garreler „übergeben". Für die musikalische Gestaltung des Vormittags sorgen die Singklassen der Grundschule Garrel, die Volkstanzgruppe des Heimatvereins, Jagdhornbläsergruppe des Garreler Hegerings und der Männergesangverein Nikolausdorf. Auch die Kindergartenkinder aus Garrel, Tweel, Beverbruch und Nikolausdorf und die Tanzmäuse der DJK-Beverbruch sind mit dabei.
Autorin Maria Blöme wird Geschichten auf Plattdeutsch vorlesen. Alfons Abeln, Richard Cloppenburg und Walburga Tapken von der Laienspielschar der Kolpingfamilie Garrel werden mit einem Sketch unterhalten.
Gespannt sein dürfen die Besucher auf den Auftritt der Musik-Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Grundschule Garrel. Unter der Leitung von Walburga Tapken werden sich der „Garreler Bur" und die „Feine Garrelerin" vorstellen. Einen echten „Danz up dei Deel" wird es ebenfalls geben.


Sprache prägt Charakter

Platt  "wichtiges Kulturgut der Region"

Garrel (mt) – Börgermester Ludger Mayhaus un Bernd Ferneding as Vörsitter van den Garreler Heimatverein hebbt ein Grußwort up Platt schräwen. Dorin hett dat: „Plattdütsch läwt“, läse wi siet Johresanfang up ein Logo, dat use Münsterländische Tageszeitung immer dann affdrucket, wenn äöver plattdütsche Veranstaltungen ut Garrel berichtet werd. Wi läset dei Wöer mit Fraide.
Dormit „Plattdütsch läwt“, hebbt sick Gemeinde un Heimatverein uck tausaome daon un dat „Plattdütsche Johr 2006“ för Garrel utropen. Dei Gemeinde Garrel is dei tweide Gemeinde, dei in dat Ollenborger Münsterland nao Steinfeld ein Johr lang mit masse Aktionen dei plattdütsche Spraoke fördern will.
Wi wätet nämlich, dat dei Spraoke van use Öllern un Vöröllern bi masse Lüe nich mehr den Stellenwert heff, dei ehr maol bimäten wüdd. Dorbi is Plattdütsch wat besünners Wertvolles: Sei is mit dat öllste un wichtigste  Kulturgaut in use Region, sei is eine eigenständige Spraoke, un dei Charakter van use Menschken in disse Gägend speegelt sick in disse Spraoke wedder. Use Charakter, use Natur is äöver Johrhunderte van use plattdütsche Spraoke präget worn.
Wi schulln dat seläwe nich vergäten un dorüm dei plattdütsche Spraoke hoch hollen, wo dat bloß gaeiht. Gemeinde un Heimatverein fraiht sick, dat so väle Vereine, Gruppen, Schaulen, Karken, Kinnergörns... den Uprop folgt sünd un in dei taukaomen Monate mit masse Ideen un Aktionen dat „Plattdütsche Johr“ unnerstützen daut.
Vandaoge ist dei offizielle Uptaktveranstaltung in´n Saol Niemann. Use niedersächsische Minister Hans-Heinrich Ehlen is Schirmherr un Festredner. Natürlick schnackt hei up Platt. Väle Vertreter mehr noch ut dei Gemeinden, Heimatvereine, Karken, Krings, Schaulen, Kinnergörns un ännere Vereinigungen sünd nao Garrel kaomen, üm den Uptakt mit tau beläwen. Ein besünners schönet Programm schall drei Stunnen lang unnerholen.
Väl Pläseier wünsche wi an disse Stä. Glöwen daut wi uck, dat dat „Plattdütsche Johr 2006“ ein groten Erfolg weern un use Plattdütsch wieder helpen dait.
Tauken Johr kann dat dann in die nächste Runde gaohn in eine Gemeinde ut den Landkreis Vechta.


„Platt gehört in Kinderhand"

Plattdeutsches Jahr als Chance zum Erhalt der Sprache nutzen
Von Norbert Högemann

Garrel - „Dat plattdütsche Jaohr is dat Beste, wat dat in Niedersachsen giff,“ lobten Landespolitiker unlängst auf einer Podiumsdiskussion in Steinfeld. Wohl wissend, dass es nicht zum Besten steht mit dem Erhalt der Sprache unserer  Väter und Vorväter, bewerteten die Abgeordneten das „plattdeutsche Jahr“ als Chance, den Stellenwert des fast verlorenen Kulturgutes zu steigern.
So gesehen ist es eine gute Idee gewesen, die im Jahre 2004 auf dem Münsterlandtag in Holdorf geboren und schon ein Jahr später von den rührigen Steinfeldern in die Tat umgesetzt wurde. Die Bereitschaft von Bevölkerung, Vereinen und Institutionen in Steinfeld, das Projekt mitzutragen, motivierte die Heimatfreunde in Garrel, das „plattdeutsche Jahr“ für 2006 auch in Garrel leben zu lassen.
Die Mitglieder des Heimatvereins wurden in der Folgezeit, als es um erste Planungen und die Frage nach der Finanzierung ging, nicht allein gelassen. Auf einstimmigem Beschluss des Rates ist wie ganz selbstverständlich die politische Gemeinde mit im Boot und auf einer ersten Zusammenkunft mit den Vereinen zeigte sich eine überaus große Bereitschaft zur Mitarbeit. So liegt zu der heutigen Auftaktveranstaltung in Garrel ein Terminkalender für plattdeutsche Aktivitäten vor, der sich sehen lassen kann. Generalversammlungen werden in plattdeutscher Sprache abgehalten, auf Rats- und politischen Ausschusssitzungen wird „platt schnacket“ und das örtliche Bildungswerk bietet unter der Rubrik „Fortbildung in Sprachen“ einen Kurs „Plattdeutsch für Anfänger“ an. Vorbildlich ist auch das Engagement der Kirchengemeinden. Nicht nur, dass vor kurzem ein Bischofswort in allen Kirchen der Gemeinde auf Platt verlesen wurde, Ende September/Anfang Oktober werden in allen Kirchdörfern auch „plattdeutsche Gottesdienste“ gefeiert. Nicht zuletzt auf den Kulturtagen am 2. und 3. September ist Raum für plattdeutsche Folklore und plattdeutschen Gesang.
Kindergärten und Schulen schließen sich zusammen, um einen „plattdeutschen Heimatabend“ nur mit Kindern zu gestalten. Wie stolz werden die Eltern wohl am 26. November sein, wenn sie erfahren, wie ungezwungen ihre Sprösslinge auf der Bühne mit der Sprache umzugehen wissen, die sie zu Hause ja eigentlich gar nicht mehr gelernt haben.
Und hier spätestens muss dann das Umdenken der Väter und Mütter einsetzen. Plattdeutsch kann uns als wertvolles Kulturgut und bedeutsame Zweitsprache nur erhalten bleiben, wenn sie in den Familien ihren besonderen Stellenwert gewinnt. „Plattdütsch hört in Kinnerhand“, hat es Professor Dr. Wilhelm Brockhaus, ein bekannter Verfechter der plattdeutschen Sprache, formuliert.   „Platt“ hat als eigenständige Sprache Wesen und Charakter der Menschen im Oldenburger Münsterland geprägt. Wenn wir dieses Gut erhalten wollen, sollten Eltern bereit sein, die Kinder zweisprachig zu erziehen.
Schulen und Kindergärten, Vereine und Institutionen könnten unterstützend tätig werden. Genauso aber auch die Verantwortlichen in öffentlichen Ämtern, indem sie auf Rats-, Vereins- und anderen gesellschaftlich relevanten Veranstaltungen mehr Plattdeutsch reden. Wir müssen uns neu mit der Sprache identifizieren und sie nach draußen tragen. Nur so haben wir eine Chance, die schöne plattdeutsche Sprache über das „Plattdütsche Johr“ hinaus „in aller Munde“ zu halten.


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