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Halbtagesfahrt nach Twistringen am 9.September 2006


28 Garreler Heimatfreunde machten sich an einem Samstagnachmittag um 13:00 Uhr bei sonnigem Wetter auf den Weg zum Ziel ihrer Halbtagestour nach Twistringen.
Die Stadt Twistringen liegt im Zentrum des Landkreises Diepholz und zählt heute ca. 13.000 Einwohner. Mehrere hundert Gewerbebetriebe sind verantwortlich für über 2500 sozialversicherte Beschäftigte, die vorwiegend im produzierenden Bereich sowie im Einzelhandel tätig sind.

Twistringen wurde schon 1250 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts bis etwa 1950 hat sich in der Kleinstadt ein im norddeutschen Raum einzigartiges Zentrum der Strohverarbeitung herausgebildet. Die Voraussetzung dafür war gutes Ackerland, das etwa 1,80 lange Roggenhalme hervorbrachte.
In einem 1996 eröffneten Museum, das sich im Gebäude eines früheren strohverarbeitenden Betriebs befindet, wird die Entwicklung und Geschichte der Strohverarbeitung von ihren Anfängen bis in die Gegenwart hinein dokumentiert.
Dort wurde die Reisegruppe bereits erwartet. Ein versierter Führer informierte zunächst über die Vorbereitung des Strohs zur Weiterverarbeitung. Wichtig war vor allem, dass der Abstand zwischen den Knoten eines Halmes etwa 30 cm betrug. Ca. 50 ha Ackerland waren erforderlich, um den Bedarf der 800-1000 Strohflechter, die es 1820 gab, zu decken.
Sehr beeindruckt waren die Besucher dann von der Schnelligkeit, mit der eine Näherin aus einem geflochtenen Strohband einen Strohhut herstellte.
Als nächstes wurde die Herstellung von Strohhülsen zum Verpacken von Flaschen für den Versand gezeigt. In der Twistringer Mundart wurde aus dem französischen „enveloppe“ (Hülle) die Malotte. In der Blütezeit um 1935 und 1955 wurden 120 Millionen Malotten im Jahr hergestellt.
Anschließend wurden die Garreler in eine original aufgebaute Küche von 1920 geführt. Dort stellte man in Heimarbeit Strohtrinkhalme her. Auch Kinder wurden dazu herangezogen. Nebenbei entstanden auch die Hüllen für Lose.
Heute hat sich die Palette der Stroh- und Faserprodukte wesentlich vergrößert. Drainrohrummantelungen, Folienmatten und –schläuche, Strohkernmatratzen, Dachbegrünungs- und Vegetationsmatten sind nur einige der noch hergestellten Produkte. Diese bildeten den Abschluss der Führung.

Gestärkt durch Kaffee und Kuchen und um viele Eindrücke reicher, begab sich die Garreler Gruppe wieder in den Bus. Eine Gästeführerin zeigte ihnen die Umgebung von Twistringen. Sie machte Halt an einer „Hünenburg“, wies hin auf schottische Hochlandrinder mit gewaltigen Hörnern und erzählte in plattdeutscher Sprache ein Märchen dazu. Zum Schluss sahen die Heimatfreunde auch die schon eingangs erwähnten Industrieanlagen.

Gut gelaunt und durch einen Amerikatropfen gestärkt, trafen die Heimatfreunde gegen 19:00 Uhr wieder in Garrel ein.

Bericht von Maria Blömer


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